Wenn Menschlichkeit älter wird – das Projekt MBS.CARE und der Wert echter Nähe im Alter

„Alle wollen alt werden – aber niemand will alt sein.“ Dieser Satz beschreibt ein Dilemma, das uns als Stiftung sehr bewegt. Alt werden bedeutet nicht nur, auf ein langes Leben zurückzublicken – es heißt auch, sich der eigenen Verwundbarkeit zu stellen und zu spüren, dass man auf Hilfe angewiesen ist. Doch Hilfe anzunehmen ist nie leicht. Schon gar nicht, wenn niemand da ist, der sie aus Nächstenliebe selbstverständlich geben würde: keine Kinder, keine Angehörigen, keine Freunde, die nach einem sehen.
„Wenn das Leben nicht zu dir nach Hause kommt, findet es einfach nicht mehr statt.“
Das ist die Realität vieler älterer, alleinlebender Menschen. Ihre Tage werden still, Kontakte brechen weg, und das Dasein schrumpft auf die eigenen vier Wände zusammen.
Der Lebensweg der Stifterin als Ausgangspunkt
Genau an diesem Punkt knüpft die Geschichte unserer Stifterin Sigrun Gaspari, Enkelin von Margarete Breuer, an. Auch sie hatte keine Kinder und keine nahen Familienangehörigen. Als sie durch einen medizinischen Notfall in die Situation geriet, dass sie nicht mehr ohne Hilfe allein in ihren eigenen vier Wänden leben konnte, war ihr größter Wunsch klar: zu Hause bleiben – bis zum letzten Atemzug.
Was das möglich machte, war keine Institution und kein Standardangebot, sondern das Engagement zweier ihr nahestehender Freunde. Sie organisierten Hilfe, Unterstützung und die notwendige Sorgearbeit – so, dass dieser Wunsch respektiert und erfüllt werden konnte.
Diese beiden Freunde sind heute die Vorstände der Margarete-Breuer-Stiftung. Sie haben ihre Erfahrungen aus dieser intensiven Zeit in die Stiftung hineingetragen – und mit dem Projekt MBS.CARE eine Struktur geschaffen, die genau das weiterführt, was sie damals für Sigrun Gaspari geleistet haben: ältere Menschen mit Fürsorge, Nähe und Verlässlichkeit zu begleiten, damit sie so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrem Zuhause leben können.
Altenhilfe jenseits der Zuständigkeit
Ja, in Düsseldorf gibt es viele Angebote für Seniorinnen und Senioren. Aber oft setzen sie voraus, dass ein unterstützendes Umfeld vorhanden ist – eine Tochter, ein Sohn, Angehörige, die Formulare ausfüllen, beim Arzt nachfragen oder den Alltag strukturieren helfen.
Doch was ist mit den Menschen, die niemanden mehr haben? Mit denen, die weder ein soziales Netz noch regelmäßige Anrufe oder Besuche erleben?
Genau hier knüpft MBS.CARE an. Das Projekt wurde Ende 2021 ins Leben gerufen, um diese Menschen nicht allein zu lassen. Es ersetzt keine bestehenden Angebote, sondern schafft die Verbindung, die sonst niemand mehr herstellt: die Brücke zwischen dem, was da wäre – und dem, was ohne Begleitung gar nicht mehr ankommt.
MBS.CARE versteht sich als Lotse mit einem 360-Grad-Blick. Wer allein lebt, braucht nicht nur Hilfe – sondern jemanden, der erkennt, wo Hilfe nötig ist, bevor es zu spät ist. Nicht mit Formularen, sondern mit Beziehung. Nicht mit Systemlogik, sondern mit Haltung.
Wenn Nähe den Unterschied macht
Wir haben im Projekt schnell gelernt: Viele Notlagen entstehen nicht plötzlich, sondern wachsen langsam – aus einem schleichenden Mangel an Verbindung. Oft macht erst ein einschneidendes Ereignis diesen Mangel sichtbar: ein Krankenhausaufenthalt, ein Sturz, ein Behördenbrief, der überfordert.
In diesen Momenten baten viele leise um Hilfe – nicht, weil sie plötzlich hilflos waren, sondern weil die Not größer wurde als der Stolz, alles allein regeln zu wollen. Genau an dieser Stelle schließt MBS.CARE die Lücke: nicht laut, aber verlässlich.
Mehr werden, ohne beliebig zu werden
Anfang 2024 haben wir das Projekt ausgeweitet, um mehr Menschen erreichen zu können. Unser Anspruch blieb derselbe: Nähe bewahren – auch bei wachsendem Bedarf.
Was gleich blieb: Jede Unterstützung ist individuell. Keine Serienbriefe, keine standardisierten Abläufe. Sondern persönliche Kontakte, wiederkehrende Gespräche, verlässliche Ansprechpartner:innen, die Vertrauen schaffen. Immer wieder neu die Frage: Was braucht dieser Mensch jetzt, heute, in seiner konkreten Situation?
Ob Begleitung zu einem Arztgespräch, Hilfe bei Behördenpost oder einfach das Gefühl, nicht allein zu sein – MBS.CARE bleibt persönlich. Und es bleibt Koordinator und Wegbereiter: mit einem offenen Blick auf veränderte Bedarfe und mit dem Ziel, älteren Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.
Dabei geht es uns nicht darum, Leistungen zusammenzuführen wie in einem Puzzle. Es geht darum, Menschen in ihrer Lebenswelt zu stärken – und ihnen ein stabiles, würdevolles Umfeld zu ermöglichen.
Der „Silberne Engel“ – nächste Schritte aus Erfahrung
Aus den Erfahrungen von MBS.CARE entwickeln wir aktuell das Folgeprojekt „Der Silberne Engel“. Es bleibt dem Prinzip persönlicher Zuwendung verpflichtet, erweitert es jedoch um klare Strukturen: verlässliche Lotsenfunktionen, gezielte Alltagsunterstützung und ein Netzwerk erfahrener Begleiter:innen.
Unser Leitmotiv bleibt dasselbe: Würde im Alter entsteht dort, wo jemand Verantwortung übernimmt, ohne sich aufzudrängen. Nicht mit vorgefertigten Lösungen, sondern mit Zeit, Haltung und dem offenen Blick für das, was gerade gebraucht wird.
Warum MBS.CARE zum Leitbild passt
Das Leitthema „Gemeinsam. Menschlich. Leben.“ stammt aus dem Hirschburg Forum, das wir in enger Verbundenheit begleiten. Auch wenn es nicht das offizielle Leitbild unserer Stiftung ist, teilen wir diese Haltung zutiefst.
Denn MBS.CARE macht genau das sichtbar:
– Wir hören zu, wenn andere weghören.
– Wir bleiben da, wenn Verlässlichkeit fehlt.
– Wir halten Verbindung – nicht, weil wir müssen, sondern weil es zählt.
So wird im Projekt MBS.CARE erfahrbar, was Menschlichkeit im Alter bedeutet: Nähe, die nicht messbar ist, aber spürbar – und Würde, die nicht abstrakt bleibt, sondern im Alltag gelebt wird.
💛 Mit MBS.CARE zeichnet die Margarete-Breuer-Stiftung den letzten Lebensweg ihrer Stifterin Sigrun Gaspari nach – getragen von den beiden Freunden, die sie bis zuletzt begleitet haben und heute als Stiftungsvorstände dafür sorgen, dass ihre Erfahrungen vielen zugutekommen.



